Bericht im Oltner Tagblatt: 25.01.2008 Walter Jäger

FC Wangen: Habemus "Präsi"

Fussball Walter Jaeger als Chef des Erstligisten gewählt.

Zur Person

Name: Jäger Walter
Geburtstag: 01.Februar 1954
Beruf: Kaufmann
Wohnort: Rickenbach
Nationalität: Schweiz
Hobbis: Golf, Wandern
Laufbahn:
Ab 1964 gehört er dem
FC Wangen an, spielte aktiv
Fussball (Junioren bis 2. Liga)
und bekleidete mehrere Ämter im
Verein. Jaeger sass als Sekretär,
Kassier, Beisitzer, Vizepräsident
und Seniorenobmann im Vorstand
und ist FCW-Ehrenmitglied.

 

 

Bild: T.Hofer

Der bald 54-jährige Walter Jaeger aus Rickenbach ist an der gestrigen ausserordentlichen Generalversammlung des FC Wangen von den rund 70 anwesenden Mitgliedern einstimmig zum Präsidenten gewählt worden. Jaeger tritt damit die Nachfolge von Roman Rogger an, der dem Verein bis zur GV im letzten Sommer drei Jahre lang vorgestanden hatte und neu als Vizepräsident amtet. Zudem ist Markus von Wyl in den Vorstand gewählt worden, der nun mit neun Mitgliedern wieder komplett ist. Zuletzt war das Amt des Präsidenten nicht besetzt. Lesen Sie demnächst das Interview mit dem neuen FCW-Chef. Im "Sonntag OT" nimmt Walter Jaeger Stellung zu wichtigen Fragen, die die Zukunft des Erstligisten betreffen. (phil)

 

Interview im Oltner Tagblatt: 27.01.2008 Walter Jäger

Gemeinsam als Orchester flöten

Warum Walter Jaeger FC-Wangen-Präsident wurde und was er anpacken will

Der Stuhl des FCW-Präsidenten war mehr als ein halbes Jahr lang leer. Am Donnerstag wurde Walter Jaeger von der ausserordentlichen Generalversammlung als der Nachfolger von Roman Rogger gewählt. Das OT hat mit dem Chrüzmatt-Chef gesprochen.

PHILIPP KISSLING

Herr Jaeger, was reizt Sie am Amt des FC-Wangen-Präsidenten?
Walter Jaeger: Also, reizen tut mich das Amt eigentlich nicht. Aber ich habe Hans Flückiger an der letzten GV zugehört. Der Verein hat mir viel gegeben, jetzt möchte ich ihm beistehen und etwas zurückgeben. Es kann nicht sein, dass der FC Wangen führungslos dasteht.

Der Sessel des Vereinschefs war seit dem letzten Sommer verwaist. Warum standen Sie damals nicht zur Wahl?
Jaeger: Die Situation war mir dannzumal so nicht bekannt. Ich war vorgesehen als Donatorenpräsident. In der Zwischenzeit überlegte ich mir, dass ich in dieser Funktion kaum jemandem etwas von einem führungslosen Verein verkaufen kann. Ich sprach dann innerhalb unserer Kommission, die den neuen Präsidenten suchen sollte, mit Roman Rogger. Ich stellte mich zur Verfügung als Präsident, sofern er den Vizeposten übernimmt. Er hat drei Jahre Erfahrung, ich nicht.

Arbeiteten Sie schon in den vergangenen Monaten im Vorstand mit?
Jaeger: Nein, eigentlich gar nicht. Ich war an einer Sitzung des Vorstands und unterbreitete meinen Vorschlag.

Ausser Ihrer Person soll es noch weitere Veränderungen respektive Ergänzungen in der Klubleitung geben.
Jaeger: Wie gesagt ist Roman Rogger der neue Vizepräsident, und zudem verstärkt Markus von Wyl als zusätzlicher Beisitzer, der bestimmte Aufgaben übernehmen muss, den Vorstand. Wenn einer alleine flötet, bringt das nichts, es muss das ganze Orchester gemeinsam spielen.

Ein Erstligaverein ist eine ziemlich grosse Kiste, und Sie sind als Geschäftsführer einer Oensinger Logistikfirma ein vielbeschäftigter Mann. Woher nehmen Sie die nötige Zeit?
Jaeger: (lacht) Ich habe mir vorgenommen, im Geschäft mehr zu delegieren. Ich habe gute Leute, das gibt mir Zeit. Im Übrigen können Sie versichert sein, dass ich das Amt nicht angenommen hätte, wenn ich von vorneherein gewusst hätte, dass ich die Zeit dafür nicht aufbringen könnte.

Ein Erstligaverein braucht auch zahlreiche Leute, die tatkräftig im Hintergrund mithelfen. Zuletzt war die Arbeit auf der Chrüzmatt aber auf (zu) wenigen Schultern verteilt. Wie wollen Sie das ändern?
Jaeger: Für die Arbeit im Vorstand habe ich klare Vorstellungen. Die Mitglieder müssen Ämter übernehmen und den Präsidenten entlasten. Ich werde den FC Wangen wie eine Unternehmung führen, in Ressorts arbeiten lassen und delegieren. Ich bin nicht gewillt, alles alleine zu machen.

Ein Erstligaverein ist ebenfalls eine ständige Baustelle. Wo setzen Sie Schaufel und allenfalls Pickel zuerst an?
Jaeger: Die Baustellen in den Vereinen kennt man ja, die liegen in erster Linie bei den Finanzen. Es muss wie in einem Unternehmen funktionieren, man muss die Balance zwischen Einnahmen und Ausgaben herstellen. Da werde ich im ersten halben Jahr die Hebel ansetzen.

Öffnen Sie für den FC Wangen auch ihr eigenes Portemonnaie?
Jaeger: Nein, nicht unbedingt. Es kommt kein Mann mit einer Geldmaschine, das wissen sie in Wangen.

Sie sind Geschäftsmann. Stehen dem Klub finanziell gar rosige Zeiten bevor?
Jaeger: Nein, denn man muss hier die Gegebenheiten sehen. In der jetzigen Situation muss man auch mal das Budget den Einnahmen anpassen, nicht nur eines nach den Ausgaben erstellen. Und ausserdem: Der FC Wangen ist nicht ausschliesslich die erste Mannschaft, die in der 1. Liga spielt. Meine Verpflichtung ist auch der gesamte Verein. Wir haben auch ein Zwöi und die Junioren, die sehr gut geführt sind. Die erste Mannschaft ist das Aushängeschild, natürlich. Aber wir waren früher auch nicht in der 1. Liga und hatten gute Junioren und ein Zwöi. Da lief zwischendurch einiges schief, das sich jetzt aber gebessert hat.

Die Dauer der Zugehörigkeit zur 1. Liga ist bemerkenswert. Dennoch schaffte es der FC Wangen nie, zum Aushängeschild der Region mit entsprechender Beachtung zu werden. Warum nicht?
Jaeger: Das könnte auf die Funktionäre der letzten fünf, sechs Jahre zurückzuführen sein. Der FC Wangen war bei einigen verpönt. Er schwang in der Vergangenheit immer obenaus, auch finanziell. Das schaffte bei einigen Vereinen der Region Neid.

Der FC Wangen hat es aber auch in der breiten Öffentlichkeit nicht zu besonders grosser Beliebtheit gebracht.
Jaeger: Das kann auch daran gelegen haben, wie Funktionäre mit Spielern und anderen Vereinen umgegangen sind. Das darf man schon sagen, ich bekam ja einiges mit.

Damit greifen Sie Hans Flückiger an.
Jaeger: In gewissem Masse schon. Er ist dem Verein halt immer vorgestanden. Obwohl, man weiss ja nicht genau, wie es ist, wenn man nicht selbst da steht. Die Mentalität, die wahrgenommen wird, hat sicher viel mit Hans Flückiger zu tun. Er hat ja auch viel gemacht oder besser gesagt: er macht alles. Das soll kein Angriff sein, aber ich lege ihm das zur Last (lacht).

In der jüngeren Vergangenheit wurde viel über die Vorteile einer engen Zusammenarbeit mit dem FC Olten gesprochen. Werden Sie in dieser Frage forcieren oder bremsen?
Jaeger: Auf diese Frage gebe ich Ihnen keine Antwort, weil ich diese Situation zuerst abschätzen will. Ich will diese Vorteile allerdings nicht verneinen. Es muss ja eine gewisse Regionalisierung passieren, die es auf der Basis der Juniorenarbeit ja schon gibt.

Zum Schluss vervollständigen Sie bitte folgende Sätze:

Die Aufstiegsspiele zur Challenge League sind für den FC Wangen …
Jaeger: … kein Thema, obwohl sie inte-ressant wären. So lange wir in der Rangliste im Teletext auf der linken Seite sind, ist gut, und momentan ist das so.
Die Absteiger aus der Gruppe 2 heissen …
Jaeger: … da bin ich überfragt, weil ich mich nur auf den FC Wangen konzentriert habe. Ich hoffe nicht, dass es Olten sein wird.
Der FC Wangen erhält mit mir als Präsidenten …
Jaeger: … eine Person mit vielen Beziehungen.
Wäre ich Köbi Kuhn, würde ich …
Jaeger: … die EM gewinnen. Gewinnen wollen, sagen wirs mal so.
Die Schweizer Nationalmannschaft wird an der EM …
Jaeger: … in die Viertelfinals vorstossen. Ich glaube, sie hat Steigerungspotenzial und wird überraschen.
FC-Wangen-Präsident werde ich sein bis …
Jaeger: … mindestens anderthalb Jahre. Die Gesundheit spielt dabei auch immer eine Rolle.

ZUR PERSON

Ein flexibler Typ

Walter Jaeger feiert am kommenden Freitag den 54. Geburtstag und wohnt in Rickenbach.
Ab 1964 gehörte er dem FC Wangen an, spielte aktiv Fussball (Junioren bis 2. Liga) und bekleidete mehrere Ämter im Verein. Jaeger sass als Sekretär, Kassier, Beisitzer, Vizepräsident und Seniorenobmann im Vorstand und ist FCW-Ehrenmitglied. Zudem durften die Wangner auch als Sponsor auf ihn zählen.
Als der Kaufmann in den 1970er-Jahren bei der Frigoscandia arbeitete, übernahm er die Logistik für das erste McDonald's-Restaurant in der Schweiz, danach wanderte er in die USA aus, weil seine Frau von dort stammte. "Weil ich ein flexibler Typ bin, sagte ich, arbeiten kann ich dort auch." Walter Jaeger war in San Diego General Manager in einem Unternehmen mit 60 Angestellten, das sich mit Liegenschaften und Weinhandel beschäftigte sowie im Baugewerbe tätig war.
Nach zehn Jahren und der Scheidung kehrte er in die Schweiz zurück. Seit 1990 arbeitet er für die Firma HLS (bis 2001 in Zuchwil, seither in Oensingen), die die gesamte Logistik für McDonald's Schweiz erledigt. Jaeger ist Teilhaber und Geschäftsführer.
In der Freizeit spielt er gerne Golf und wandert, vorzugsweise auf den Chambersberg. Er hat eine 26-jährige Tochter, die im kanadischen Calgary lebt.
Der Geschäftsmann will "frisches Blut und Ideen" in den FC Wangen bringen und eckt nach eigener Aussage mit seiner Meinung auch mal an. "Es kann nicht sein, dass ein einziger Mann einen Verein trägt, mein Vorstand wird deshalb gefordert sein."
Das erste Halbjahr betrachtet Jaeger als Einarbeitungszeit, denn "ich habe keine Ahnung, was da alles kommt." Auf jeden Fall will er nicht zurück-, sondern vorwärtsschauen. "Wir werden auch in Zukunft ‹tschutten›", so die "Kampfsau" (Jaeger über Jaeger) lapidar.
(phil)

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