Vorschau Oltner Tagblatt: FC Olten - FC Wangen b.O Sa 13.09.2008 16:00 Uhr

Fast immer im Blick des Chefs


Fussball Beim FC Wangen herrscht vor dem Derby gegen den FC Olten Optimismus

Weit über 50 Stunden pro Woche verbringen sie gemeinsam. Da muss die Chemie stimmen. Und das tut sie offenbar: René Erlachner ist Agron Dedas Chef – in seiner Garage und beim FC Wangen.

ACHIM GÜNTER

Es war im Spätsommer 2007. René Erlachner suchte für seinen Garagenbetrieb in Olten einen neuen Werkstattchef. Er wusste: Seit einigen Monaten steht im Kader «seines» FC Wangen mit Agron Deda ein Automechaniker. Der Rothrister hatte damals vor kurzem die Lehre abgeschlossen und arbeitete zu jener Zeit bloss temporär. Als ihn Erlachner schliesslich ernsthaft anfragte, ob er in seiner Firma tätig werden wolle, zögerte der bald 21-Jährige zunächst. Es wollte gut überlegt sein, ob René Erlachner alsbald nicht mehr nur sein Fussballtrainer, sondern auch sein Arbeitgeber werden sollte.

Als der erste Arbeitstag bei der Garage Erlachner schliesslich näherrückte, hätten sie zusammen vereinbart, künftig Fussball und Job strikt zu trennen. Das gelinge bis jetzt ganz gut. In der Kabine des FC Wangen sieht Deda laut seiner Aussage Erlachner jedenfalls nicht als Chef, sondern nur als Fussballtrainer des FCW. Zu Beginn, sagt Deda heute, habe er sich nicht vorstellen können, dass die Zusammenarbeit so gut funktioniere. Inzwischen lässt sich aber bilanzieren: «Wir passen gut zusammen.»

Und er lobt Erlachner: «Er ist ein sehr guter Chef, er lässt mir alle Freiheiten.» Zugegeben: Als Deda das sagt, sitzt Erlachner daneben, erledigt Bürokram und hört – zumindest mit einem Ohr – mit. Und doch hat man den Eindruck: So wie die beiden miteinander umgehen, scheinen sie sich wirklich gut zu verstehen. Deda hat jedenfalls nicht vor, bald eine neue Arbeitsstelle zu suchen, sagt er doch: «Wer hats besser als ich? Man kann immer über Autos und Fussball reden ...»

René Erlachner gibt später die Blumen zurück: Fachlich sei Deda äusserst kompetent, wenn auch natürlich aufgrund seines Alters noch etwas unerfahren. «Er wird aber jeden Tag besser.» Zudem schätze er an ihm seine Belastbarkeit, das Ruhigbleiben auch in hektischen Situationen sowie die Teamfähigkeit. Letztere ist besonders wichtig, da das kleine Garagenteam nur aus ihm sowie den beiden Brüdern René und Eric Erlachner besteht.

Auf einen guten Teamgeist ist auch der FCW angewiesen. Sieben Punkte aus fünf Spielen entspricht zwar nicht dem von Team und Trainer gemeinsam gesteckten ersten Etappenziel – 10 Punkte hättens sein müssen –, doch mit dem Saisonstart kann man auf der Chrüzmatt gleichwohl gut leben. Auch der schweizerisch-kroatische Doppelbürger Deda – eigentlich ist er Kosovo-Albaner – ist mit der persönlichen Saisonbilanz zufrieden.

Kam er im Vorjahr noch meist als Joker zum Einsatz, stand er bisher stets in der Anfangself. Mit einer Ausnahme schickte ihn allerdings Erlachner immer vorzeitig zum Duschen. «Klar, ich will jeweils lieber durchspielen. Aber ich bin zufrieden, dass ich immer zur Startformation gehört habe», kommentiert Deda, der seine Karriere einst als F-Junior beim FC Rothrist gestartet und dann mit 16 Jahren erst zu Herzogenbuchsee und später zu Langenthal gewechselt hatte. Dedas Lieblingsrolle ist eine offensive auf den Seiten des Mittelfeldes. Beim FCW agiert der Rechtsfüsser in offensiven und defensiven Rollen auf der linken Seite.

Auch morgen Samstag ab 16 Uhr beim Derby in Olten wird Deda wohl auf der linken Seite rackern. «Ich denke, wir sind qualitativ besser als Olten. So, wie wir bisher gespielt haben, werden wir gewinnen», ist der 20-Jährige überzeugt. Auch Erlachner ist optimistisch: «Wir haben viel Respekt vor Olten, aber keine Angst. Jetzt verfügen wir über sehr viel Selbstvertrauen, ohne aber überheblich zu sein.»

Erlachner sagt, dass er bis vor kurzem mit mehr Emotionen in die Derbys gestiegen sei. Dem ehemaligen FCO-Junior und -Aktivspieler hatte es jeweils Mühe bereitet, gegen seinen Stammverein anzutreten – und auch gegen seinen einstigen Schützling Sascha Stauch, der auf der Gegenseite als Spielertrainer wirkt. Im Unterbewusstsein, gibt er zu, habe er deshalb vielleicht seine Mannschaft jeweils nicht optimal coachen können. Seit dem Oltner Wiederaufstieg vor gut zwei Jahren konnte Wangen in vier Begegnungen nie gewinnen. Zuletzt trennte man sich zweimal unentschieden.

Im Kleinholz muss Erlachner morgen auf zwei Offensivkräfte verzichten: Thomas Bigler fällt weiterhin aus; er leidet an einem eingeklemmten Nerv. Domenico Catalano, am letzten Wochenende eben wieder genesen, steht wegen einer Muskelverletzung nicht zur Verfügung. Ansonsten aber ist Trainer Erlachner sorgenfrei, sogar mehr als das, verkündet er doch strahlend: «Ich freue mich richtig aufs Derby.»

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